Der große Bauernkrieg 1525 in Ostwürttemberg

von Heiner Jestrabek

 

Bildunterschrift: Aufständische Bauern verhandeln mit einem Adeligen. Holzschnitt des Petrarca-Meisters 1519/20.

 

Wir sind des Geyers schwarzer Haufen

Wir sind des Geyers schwarzer Haufen, heijaho, ho!

Wir woll'n mit Pfaff und Adel raufen, heijaho, ho!

Spieß voran! Drauf und dran

setzt auf's Klosterdach den roten Hahn!

Als Adam grub und Eva spann, Kyrieleis

Wo war denn da der Edelmann? Kyrieleis.

Spieß voran....

Wir wollen's Gott im Himmel klagen, Kyrieleis,

Daß wir die Pfaffen nicht dürfen totschlagen, Kyrieleis!

Spieß voran....

Der Florian Geyer führt uns an, heijaho, ho!

Den Bundschuh führt er in der Fahn, trotz Acht und Bann.

Spieß voran....

Wir woll'n nicht länger sein der Knecht, heijaho, ho!

Leibeigen, frönig, ohne Recht, heijaho, ho!

Spieß voran....

Geschlagen ziehen wir nach Haus, heijaho, ho!

Die Enkel fechten's besser aus, heijaho, ho!

Spieß voran....

 

Die Strophen 2 und 3 stammen aus der Zeit der Bauernkriege. Die 1. Strophe verfaßte Godwin Grimm 1920, die 5. stammt von Heinrich Reder 1838, Kurt Zacharias schrieb die 6. Strophe 1921. (nach Steinitz)

 

"Es gab eine Zeit, wo Deutschland Charaktere hervorbrachte, die sich den besten Leuten an die Seite stellten können, wo das deutsche Volk eine Ausdauer und Energie entwickelte ..., wo deutsche Bauern und Plebejer mit Ideen und Plänen schwanger gingen, vor denen ihre Nachkommen oft genug zurückschauderten." Diese Feststellung entnehmen wir dem Vorwort des Buches "Der deutsche Bauernkrieg" von Friedrich Engels. Das Buch stützte sich hauptsächlich auf Materialien aus dem umfangreichen Werk von Wilhelm Zimmermann über den deutschen Bauernkrieg. Und eben dieser Zimmermann war von 1864 bis 1872 der evangelische Pfarrer in Schnaitheim. Zimmermanns Buch erschien erstmals 1841, wurde mehrmals überarbeitet und ist heute noch eines der umfangreichsten und grundlegendsten Werke zu diesem Thema.

 

1.1. Die politische Situation im Reich

 

 

Das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" (gegründet 962, aufgelöst 1806) war nur dem Namen nach eine Nation, wie wir sie heute verstehen. Dieses politische Gebilde war ein, von den fränkischen und später deutsch genannten Kaisern, zusammengeraubtes Gebiet vom Mittelmeer bis zum Atlantischen Ozean und zur Nordsee. In diesen Länden hatten sich, seit der Proklamierung des "Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation" bedeutsame Wandlungen vollzogen. Die ursprünglichen Marktgenossenschaften waren zugunsten des Adels und des Klerus verdrängt worden. Der Feudalismus hatte sich durchgesetzt und zeigte seine ersten Zerfallserscheinungen. Seit dem 14. und 15. Jh. nahm die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands einen bedeutsamen Aufschwung, die allerdings nicht mit der Entwicklung der umliegenden Länder Schritt hielt.

Die Bauern

Die Bauernschaft bildete die größte Gruppe der Bevölkerung. Die ehemals freien Bauern waren in Hörige und später Leibeigene verwandelt. Auf den Bauern lag die ganze Last der Feudalgesellschaft, Fürsten, Beamte, Adel, Pfaffen, Patrizier und Bürger. Die Bauern hatten von allen am meisten unter den feudalen Verhältnissen zu leiden. Die Unzufriedenheit war groß. Die Isolation und die lokale Beschränktheit der Bauernschaft bildete eine große Schwierigkeiten für den Zusammenschluß und das gemeinsame Vorgehen. "Wir finden im Mittelalter Lokalinsurrektionen der Bauern in Mengen, aber - wenigstens in Deutschland - vor dem Bauernkrieg keinen einzigen allgemeinen, nationalen Bauernaufstand . . ." (Engels: Der deutsche Bauernkrieg)

Das Bürgertum

Aus den ursprünglichen Pfahlbürgern der mittelalterlichen Städte hatte sich eine städtische Oberschicht gebildet, die Patrizier, genannt die "Ehrbarkeit". Das waren die reichsten Geschlechter, die allein im Rat saßen. Sie beuteten die Städter wie die Bauern aus, waren also bürgerlich und feudal zugleich. Die Handwerker und Kleinbürger waren daran interessiert die Macht der Patrizier einzuschränken. Sie wollten selbst ein Mitsprache- und Entscheidungsrecht in der Stadt. Die Stadtarmut, die Plebejer, machten zwei Drittel der gesamten städtischen Bevölkerung aus. Neben den Städtebürgern hatte sich ein junges Handelskapital herausgebildet (v.a. die Familien Fugger und Welser). Es lag im Interesse aller bürgerlichen Kräfte, die territoriale Zersplitterung der Territorien und die Leibeigenschaft zu beseitigen. Die Vertreter des Handelskapitals waren jedoch von den Fürsten abhängig und außerhalb der Städte selbst Grundherren. Eine Manufakturfabrikation konnte sich noch nicht entwickeln, da durch die Leibeigenschaft nicht genügend freie Lohnarbeiter zur Verfügung standen und sich kein nationaler Markt entwickeln konnte. Die Startchancen für einen deutschen Kapitalismus waren also ungünstig.

Der Adel

Der hohe Adel war natürlich an der Erhaltung der bestehenden Zustände interessiert. An eine Stärkung der Zentralgewalt hatte er kein Interesse, da dies mit einer Einschränkung seiner Privilegien verbunden gewesen wäre. Der niedere Adel, die Ritter, gingen ihrem Verfall entgegen. Die Rekrutierung von Landsknechten, die Entwicklung der Feuerwaffen und die steigende Bedeutung von Artillerie und Infanterie, verringerte ihre militärische Bedeutung. Deshalb kam es zur Herausbildung eines Raubrittertums. Diese Landplage erschwerte die Entwicklung des Handels und der Produktion.

Der Klerus

Der Klerus, als Trägerin des Katholizismus, der Ideologie des mittelalterlichen Feudalismus, hatte ebenfalls kein Interesse an einer Änderung der politischen Verhältnisse. Zudem war der Klerus selbst bedeutender Feudalherr. Die Erfindung des Buchdrucks und das Bedürfnis der Bürger nach Bildung griffen direkt das Bildungsmonopol des Klerus an.

Innerhalb des Klerus gab es zwei Klassen. Der hohe Klerus als aristokratische Klasse war gleichzeitig weltlicher Machthaber. Neben den weltlichen Machtmechanismen, fanden alle Schikanen der Religion, Schrecken der Folter, Bannfluch und religiöse Intrigen Anwendung. Zusätzlich bereicherte sich der Klerus durch den "Zehnten" und den Ablaßschwindel.

Der niedere Klerus besaß keinen Anteil an dem geschacherten Reichtum des hohen Klerus. Viele Angehörige des niederen Klerus solidarisierten sich später mit der revolutionären Bauern- und Piebejerbewegung.

Der Papst

Über dem Klerus stand die kosmopolitische reaktionäre Macht der römische Kurie und des Papstes. Diese waren an der Erhaltung ihrer

weltlichen und geistlichen Macht über alle Völker interessiert und Feinde jeglichen Fortschritts. Die Papstkirche zwang die Untertanen zu Geldabgaben, die allmählich ins Unermeßliche wuchsen.

Epoche des Aufruhrs

Die alte Gesellschaft sollte ihrem Untergang entgegen gehen. Der große deutsche Bauernkrieg von 1525 war nur der Höhepunkt einer mehrere Jahrzehnte andauernden Epoche des Aufruhrs. 1476 sammelte Hans Beheim, das "Pfeiferhänslein", in Niklashausen in Franken massenhaft Unzufriedene. 1478 kam es zu einem Bauernaufstand in Kärnten und zu einer Aufstandswelle in vielen deutschen Städten. 1492 gab es eine Bauernerhebung im Allgäu. Bundschuhverschwörungen gab es 1493 im Elsaß, 1502 im Bistum Speyer, 1513 im Breisgau und 1517 im Schwarzwald. 1509 kam es zu einem Bürgeraufstand in Erfurt, 1511/14 in Regensburg, Braunschweig, Speyer, Köln, Schweinfurt, Worms, Aachen, Osnabrück und anderen Städten.

 

1.2. Die Lage in Württemberg

Von 1442 bis 1482 war Württemberg in zwei Landeshälften - Württemberg-Stuttgart und Württemberg-Urach - geteilt. Seit 1459 regierte Graf Eberhard im Barte im Uracher Landesteil. Eberhards Onkel Ulrich V. herrschte im Stuttgarter Landesteil. Graf Ulrich hatte durch mehrere Kriege den Staatshaushalt ruiniert. Durch Schatzungen und Steuererhebungen belastete er deshalb seine Untertanen. Die Finanzkrise konnte er dadurch allerdings nicht überwinden. Nach der Vereinigung der beiden Landesteile 1482 durch den Münsinger Vertrag, wurde Graf Eberhard 1495, auf dem Reichstag zu Worms, zum Herzog erhoben. Sein Nachfolger Eberhard II. wurde allerdings 1498 von Kaiser Maximilian wieder abgesetzt. Jetzt war sein minderjähriger Sohn Ulrich sein Nachfolger. Für ihn wurde allerdings eine Vorrmundschaftsregierung eingesetzt. 1503 wurde der 16jährige Herzog Ulrich von Kaiser Maximilian für mündig erklärt.

40 Jahre war das Land geteilt gewesen und die Finanzkrise im Lande hatte die Landstände, eine Vertretung der Städte und Dörfer des Landes, politisch an Einfluß gewinnen lassen. Die Beseitigung der Finanzkrise war ohne Mitwirken der Landstände unmöglich, da sie nur durch außerordentliche Schatzungen und Steuererhebungen gelöst werden konnte. Mitspracherechte hatten zudem auch die Beamten und die "Ehrbarkeit", die Führungsschichten der Städte. Die Landstände regierten sogar ab 1498 an Stelle des wegen Unfähigkeit abgesetzten Herzog Eberhards II.

 

Verwaltung im Herzogtum Württemberg:

‘Landstände’ waren Prälaten, Ritter und Vertreter der Ämter, die Stadtehrbarkeit.

‘Amt’ ist seit der Mitte des 13. Jahrhunderts der Gerichts- und Verwaltungsbezirk. Meist eine Stadt mit den umliegenden Dörfern.

‘Vogt’ war ein Gerichtsherr (mit "Blutgerichtsbarkeit", d.h. er konnte Todesurteile im Namen des Herzogs aussprechen). Verwalteter von Bauten, Straßen und Forsten.

Daneben gab es ‘Stadtgerichte’ aus 12 Bürgern bestehend und ‘Dorfgerichte’ unter dem

Vorsitz des ‘Schultheiß’ ("der die Schuld, die Dienste anordnet") der von den Bürgern gewählt wurde.

Ulrichs Sondersteuern

Der junge Herzog Ulrich verschärfte die Finanzkrise sogar noch. 1504 beteiligte sich Württemberg am bayerischen Erbfolgekrieg und gewann im Norden seines Landes die Grafschaft Löwenstein und die Städte und Ämter Besigheim, Weinsberg, Neuenstadt, Möckmühl und das Amt Heidenheim hinzu. Außerdem kamen noch die Schutzherrschaften über die Klöster Maulbronn, Anhausen und Herbrechtingen dazu. Neben den Kriegszügen verschlang Ulrichs aufwendiger höfischer Prunk große Geldsummen. Als im August 1513 ein weiterer Feldzug nach Burgund geplant war, wurden die Staatsfinanzen vollkommen zerrüttet. Das Rechnungsjahr 1513/14 erreichte ein Defizit von etwa 70 % der Staatseinnahmen. Ulrich erhob deshalb neue außerordentliche Steuern. So sollte auch das Vermögen besteuert werden. Dagegen wandte sich jedoch die Ehrbarkeit, besonders die von Stuttgart und Tübingen. Sie erreichten die Umwandlung der Vermögenssteuer in eine Verbrauchssteuer auf Fleisch, Wein und Frucht. Dies war eine Abwälzung der Krisenlasten auf die arme Bevölkerung, wir sie auch noch heute erleben. Nur wurde nicht die erhöhte Steuer auf die Produkte erhoben, sondern die Gewichte verringert. Die Differenz aus dem Preis und dem eigentlichen Wert der Ware wurde als Steuer eingezogen. Diese Gewichtssteuer erregte großen Widerstand unter dem württembergischen Volk.

Schwäbischer Bund

Neben Württemberg bestand Schwaben aus vielen kleinen politischen Einheiten, Klosterherrschaften und Reichsstädten. 1488 entstand der Schwäbische Bund als Vereinigung von Prälaten, Grafen und Adel (der 1496 zu drei Vierteln wieder austrat). Die großen Reichsstädte bestimmten damit den Bund. Der Schwäbische Bund wurde somit ihr Machtinstrument gegen die kaiserliche Zentralgewalt. Er sicherte auch die gegenseitige Truppenhilfe gegen regionalen Aufstände und Revolten, die immer wieder in ganz Süddeutschland aufflackerten.

Bundschuh-Verschwörungen

1493 kam es zur Verschwörung des "Bundschuh" in Schlettstatt im Elsaß. Der Aufstand richtete sich gegen das nachteilige und völlig undurchschaubare Gerichtssystem. 110 aktive Verschwörer wurden angeklagt und 40 bestraft. Drei davon wurden geköpft und gevierteilt. Die Teile hängte man an den Straßen auf. Zweien kürzte man die Schwurfinger. Den restlichen erlegte man hohe Geldstrafen auf (24 Gulden/ca.4.000 DM).

Das Jahr 1501 wurde zu einem schlimmen Hunger- und Pestjahr.

1502 kam es wieder zu Bundschuh-Verschwörungen in Bruchsal und Untergrombach im Bistum Speyer. Ihre Forderungen waren: keine Leibeigenschaft, Verteilung der Kirchengüter an das Volk, kein Herr als Kaiser und Papst. Durch Verrat und weil ein Beichtvater das Beichtgeheimnis brach, wurde der Bischof gewarnt. Der Anführer Joß Fritz entkam. Wieder faßte man 110 Mitglieder. Zehn davon wurden geköpft, gevierteilt, die Teile an der Straße aufgehängt, wie schon in Schlettstatt. 90 Bauern wurden mit empfindlichen Geldstrafen belegt und öffentlich gedemütigt.

In den Jahren bis 1511 kam es immer wieder zu Mißernten ("Fehljahre"), erfrorenen Weinreben und Inflation.

1511 kostete die Weizenart Dinkel das Sechsfache wie 1506.

Ablieferung bäuerlicher Abgaben. Holzschnitt, Augsburg 1479.

 

 

 

Fälligkeitstermine für bäuerliche Abgaben in Form eines Bauern-kalenders dargestellt. Die Lämmer in der Mitte bedeuten z.B. den Lämmerzehnt, fällig zu Walpurgis (1. Mai). Heidelberger Bilderhandschrift des Sachsenspiegel (14. Jh.)

Die teure Hochzeit

1511 feierten Herzog Ulrich und seine Sabina nach 13 Jahren Verlobung Hochzeit: 7.000 Gäste von Stand, Speisung der Bürger in allen Gassen ums Stuttgarter Schloß, sieben Tage offizielle Feier, eine weitere Woche im "kleinen Kreis". Die Kosten werden Legende und zugleich Anlaß für Unruhe.

"Man schätzte die Zahl der Pferde in der Stadt auf 6 bis 7.000. Die edlen Frauen und Fräulein, welche zu Hofe kamen, werden zu 350 berechnet. Den Einladungen entsprachen die Vorbereitungen bei Hofe, bei den Bürgern von Stuttgart und auf dem Lande. Für die herzogliche Küche wurden geliefert und angekauft:

136 Ochsen, 1.800 Kälber, 130 Schweine; ferner 570 Kapaunen, 1.200 alte, 4.000 junge Hühner, 2.756 Krametsvögel, so wie Pfauen; Gänse, Enten, Feldhühner, Auerhahnen, Tauben, 500 Stück rothes und schwarzes Wildbret, 450 Hasen lieferten die Wälder, - an Fischen waren da: Satmen und Lachs 11 Tonnen (Fässer), Rheinfische 5 Tonnen, Hechte 150 Centner, Karpfen 650 Centner, Häringe 90 Tonnen, Forellen, Aale, Grundeln, Krebse etc.; Gewürz 36 Pfund Ingwer, 120 Pfd. Nägelein (Nelken), 40 Pfd. Safran, 35 Pfd. Süßholz; Confekt, getrocknete Früchte u. dgl. besorgte Apotheker Bensei zu Tübingen. Man verwendete zu Kerzen 3.600 Pfd. Wachs und 4.000 Pfd. Unschlitt (Rinderfett). Der Kastkeller hatte für die Pferde, neben einer unzähligen Menge Heu und Stroh, 6.000 Scheffel Haber aufgehäuft.

Das Hochzeitsmahl

Die Speisenordnung an diesem Tage war folgende, nämlich für Fürsten und Fürstinnen:

Erstlich Kapaunen mit ganzem lmber (Ingwer) in einer Brühe, dazu Rettig.

2) Gesotten heiß Hecht.

3) Ein Vorgebackenes von Spanferkeln.

4) Ein grün Kraut darin verguldt (vergoldete) Vögel

5) Schweinen Wildprett in einer Rosinbrühe.

6) Eingemacht Grundeln.                     

7) Ganz gebratene Rehe, dazu ein weiß und braun Sauce.                    

8) Gebrennte Kuchen und Pasteten von Mandel gemacht.                     

9) Ein Wildprett von einem Reh in einem Pfeffer.           

10) Eine Sulz von jungen Spanferkeln.              

11) Krebs.                  

12) Sulz von Fischen.  

13) Ein Gebratenes von Kapaunen, Vögeln und Anderem.                     

Für Frauen, Grafen, Ritter, Herren und Edelleut:            

1) Hühner in einer Mandelmilch.

2) Heiß Fisch. 

3) Ein Gebratenes von Vögeln in einer süßen Brühe eingemacht

4) Grün Kraut, darzu Braten von Rehen oder sonst

5) Pfeffer mit Schweinen Wildprett.

6) Gefüllt Gebackenes.

7) Eine Sulz von Fischen.

8) Eingemachte Hühner in einer braunen Brüh.

9) Braun Mueß mit Confect untersäet.

10) Ein Gebackenes.

11) Ein Braten von Kälbern und Hühnem.

Nach einiger Ruhe im Essen beginnt der Gesang und Musik von 50 Künstlern.

Indessen läßt Ulrich seinen großen Becher kreisen."

(nach Ludwig Friedrich Heyd: Ulrich, Herzog von Württemberg)  

 

Bauer mit Bundschuh und Fahne. Pamphilus Gengenbach 1514.

Wieder Bundschuh

1513 rührte sich wieder der Bundschuh in Lehen, einem Dorf bei Freiburg, wo sich Joß Fritz nach seiner Flucht aus Bruchsal niedergelassen hatte. Die Forderungen des Bundschuh wurden erweitert:

"- Kein Herr als Kaiser, Gott und Papst;

- kein Gericht soll gelten als das am Wohnort;

- geistliche Gerichte seien auf Geistliches beschränkt;

- sowie die Zinsen die Höhe des verliehenen Kapitals erreichen, ist der Schuldner frei;

- Fisch-, Vogelfang, Holz, Wald und Weide sollen frei sein;

- jeder Geistliche soll nur eine Pfründe haben;

- Verteilung des überflüssigen Kirchengutes an Arme; ein Teil in die Kriegskasse;

- unbillige Steuern und Zölle gelten nicht;

- ewiger Friede in der Christenheit; die Kriegslüsternen schickt man gegen die Heiden;

- Mitglieder des Bundschuhs sollen gesichert und geschätzt sein, Gegner bestraft."

Die weitverzweigte Verschwörung, die sogar die Bettler als Gehilfen einspannte, wurde verraten. Die Reichsstadt Freiburg verfolgte die Bundschuher jahrelang mit unermüdlichem Eifer. Joß Fritz entkommt immer wieder.

Ein schönes Denkmal vom Bundschuh schuf Franz Josef Degenhardt in seinem Lied ‘Joß Fritz’ (LP: Komm an den Tisch unter Pflaumenbäumen, Polydor 1973).

Der arme Konrad

Ausgangspunkt der Verschwörung des ‘Armen Konrad’ waren die neuen Verbrauchssteuern des Herzog Ulrich, die besonders die Armen trafen. Der Trick mit der Reduzierung der Gewichte erregte allgemeine Empörung. Die Gewichte waren um ca.150/c reduziert worden und die Verbraucher erhielten für den selben Preis weniger Waren.

Die Wasserprobe

Der schlaue Peter Gaiß, der ‘Gaißpeter’ von Beutelsbach, führte aus Protest gegen diesen Betrug ein "Gottesurteil" durch: Die Wasserprobe am 2. Mai 1514.

"Jener Hauptmann wohnte zu Beutelsbach, ein aufgeweckter Kopf, Vater von vier Kindern, der, wie seine Feinde ihm nachsagen ‘eine sehr böse und aufrührerische Zunge hatte, auf seinen Gütern aber viele Schulden’. Sein Familienname war Peter Gaiß. Als darauf eine Blume der Finanzkunst, die Verbrauchssteuer, welche man zuerst bei dem Fleische probieren wollte, in Flor treten sollte, schlug der Gaißpeter in der Versammlung vor, mit dem verringerten Gewicht die Wasserprobe zu machen: 'schwimme es nach oben, so solle der Herzog recht haben, sinke es unter, so haben sie recht'. Der Vorschlag fand großen Anklang in dem versammelten Armen Konrad. Es war der 2. Mai. Einhellig zog der Haufen nach dem Rathause und holte die daselbst aufbewahrten Trommeln und Pfeifen. Von da ging es zur Metzig, der Gaißpeter nahm daraus die neuen Gewichte und hing sie einem Paar seiner Gesellen um. Die Trommeln wurden geschlagen, die Pfeifen ergangen, so ging es hinaus an die Rems. Mit jedem Schritt schwoll der Haufen an. Am Flusse nahm der Gaißpeter seinen Gesellen das Gewicht ab und warf es in das Wasser mit den Worten: ,Haben die Bauern recht, so fall zu Boden; hat aber der Herzog recht, so schwimm empor!' Die Gewichtsteine sanken nach ihrer Art zu Boden, und alles Volk jubelte: ,Wir haben gewonnen!’ Noch jetzt heißt dieser Ort an der Rems die Waage." (Wilhelm Zimmermann: Der große deutsche Bauernkrieg)

 

Der Gaißpeter von Beutelsbach bei der Wasserprobe.

1.3. In Ostwürttemberg

Schon im Jahr 1448 zeugte die Zerstörung der Güssenburg bei Hermaringen vom Widerstandswillen des Volks. Kunerich von Güssenburg war ein richtiger Raubritter, deshalb wurde er auch "Mordhanns" genannt. Er bestahl die Klöster, die Viehherden der Reichsstadt Giengen und fahrende Kaufleute aus Ulm und Augsburg, nahm Gefangene und verlangte Lösegeld. Kurz er war eine Landplage. Das Räubernest mußte ausgeboben werden. Am 24. Juni 1448 verbündeten sich Bürger aus Giengen, Lauingen,

 

 

 

Die Herrschaft Heidenheim als Teil des Territoriums der

Reichsstadt Ulm

Langenau, Ulm und der ganzen Umgegend zu einer Streitmacht und überfielen die Güssenburg. Alle versammelten Raubritter wurden niedergemetzelt, der Güssenburger, der Burgberger, der Kaltenburger, die zwei Stromberger, der Burgvogt, Knappen und Knechte. Die Burg wurde niedergebrannt. Die beiden braven unschuldigen Töchter hatten sich rechtzeitig in ein Kloster gerettet. Dies geschah in der Johannisnacht und deshalb gehen, nach einer noch heute verbreiteten Volkssage - die Fräulein immer bei der Sommersonnwende in den Ruinen um.

Ende des 15. Jahrhunderts und in den Jahren bis 1525 erhoben sich immer wieder die Bauern und die unteren Schichten der Städte. In Schwaben waren dies die Verschwörungen des "Bundschuh" und die des "Armen Konrad".

 

Die Tätigkeiten der Mönche: Der Geist - die Freude - die Arbeit. Lüftlmalerei im ehemaligen Kloster Steinheim.

Conspiration

Beim Aufstand des "Armen Konrad" rührten sich auch die Bauern der Ostalb. Die Bauern in Steinheim, die dem Kloster Königsbronn unterstanden, forderten, daß der Abt die ihnen nachteilige Schäferei aufgebe. Es kam zu Gewalttätigkeiten, was der Abt als "Conspiration" ansah. Mit Hilfe der herrschaftlichen Beamten wurden die Rädelsführer verhaftet. Diese kamen damals noch mit einer empfindlichen Geldstrafe davon.

1519 fiel die Herrschaft Heidenheim von Württemberg an die territorial weit ausgedehnte Reichsstadt Ulm. Das Schicksal unserer Vorfahren war somit in dieser Zeit eng mit dem der Reichsstadt verknüpft.

Mißstände

Die Orte, in denen es gärte, rückten immer näher. Bauernaufstände gab es in Langenau 1513, in Leipheim 1514, im gleichen Jahr in Geislingen und Steinenkirch, 1515 in Donzdorf und 1523 in Elchingen.

Die gewaltige Empörung der armen Leute im ganzen Reich entzündete sich zunächst immer wieder an den immer offensichtlicher werdenden Mißständen der Kirche und der "Pfaffen". Während die einfache Bevölkerung immer ärmlicher lebte, wurden die Kirche und die Klöster immer reicher, profitierten auch von den Erbmassen und von Stiftungen zugunsten des Seelenheils.

Michels Leben

In einer Beschreibung eines Lebens um 1500 "beim Hagen in Schnoita handelnd" klingt Kritik am Klerus schon deutlich an:

"Währenddessen, Michel - dem Vogel gleich,

Der nicht erntet und auch nicht sät -

Folgt berauscht einem Falter ins Blütenreich;

Aus den Spelzen die Frucht abgeht.

Exaltierender Haß des Schnitters folgt nach -

Wer wird einem Kind schon gerecht -,

Wenn sichtbar sich nähert das Ungemach?

Ein Bengel - wie der - ist doch schlecht!

"Den Satan wohl hat er in seinem Leib" -

Heißt es alsbald in den Gassen -,

"Wenn der älter wird, Gott Gnade dem Weib,

Das mit ihm ein sich wird lassen!"

"Hört, spricht er nicht wie die Pfaffen auch?" -

"Was sucht er denn nächtens im Schlag?"

"Ist nicht deshalb nur dicker der Meirin Bauch,

Weil schon wieder er über ihr lag?"

Das Schon-Immer-Geahnte vernebelt sich,

Als zu Johannis zu später Stund

Im 'Bären' der Forstknecht wirft auf den Tisch

Seinen klingenden, ledernen Fund.

"Ich habe dem Michel es abgekartet!"

"Die Kalbin sei trotzdem verreckt!"

"Sein Weib hätt' vergebens hoffend gewartet!" -

"Die Quelle sei noch nicht entdeckt!"

Blind wütend die Worte Kreise ziehen,

Um Michels Kopf sie weiten,

Es bleibt dem Burschen nur schnelles Fliehen,

So er sein Leben will retten.

Denn die einstigen Skrupel,

sie plagen nicht mehr;

Er hat den Ablaß gesehen,

Den Tor gibt für Didaktisches her,

Das so einfach nicht ist zu verstehen.

Bewaffnete Bauern. Nach einer Radierung von Albrecht Dürer.

So mißfallend, etlich Pfaffen -

Die in Gottes Namen raffen,

Die die Pfründe sehen schwinden -,

Über diesen Mann befinden:

"Deuter Sterne, Wetter, Hände,

Pulver mengend, Geister fragend,

Nicht der Lust sich fromm entsagend,

Füllen seine Taten Bände!

Gebet Gott, was Gott gebührt,

Der aus Elendsschluchten führt!

Jagd den Satan schleunigst fort,

Hört auf seligmachend Wort!"

Beim Hagen in Schnoita - der letzte Halt

In einem rastlosen Leben -

Stirbt Michel, der Freie, durch Menschengewalt,

Dem Zauber der Welt ergeben."

(nach P.M. Sträßner)

 

Der Funke springt über

Ab Juni 1524 wurde es in der ganzen Herrschaft Ulm, die ja auch Geislingen und Heidenheim umfaßte, unruhig. Der Rat verschärfte die polizeilichen Bestimmungen über den Umgang mit verdächtigen Personen. Den Dörfern wurde verboten, nicht einwandfrei ausgewiesene oder bewaffnete Personen in Gasthäusern übernachten zu lassen. Ende 1524 sprang der Funke vom südlichen Schwarzwald herüber, wo örtliche Aufstände sich der Donau entlang ausbreiteten. Es bildeten sich große Bauernhaufen.

Am 24. Dezember hatte der Ulmer Rat den Leipheimern eine Bitte um Steuernachlaß abgeschlagen, wodurch sich dort Aufruhr ausbreitete. Mitte Februar 1525 waren bereits alle Dörfer zwischen Bodensee, Lech und Donau von ihren Herren abgefallen. Am 18. Februar war auch das Amt Langenau aufsässig, angesteckt von den Leipheimern; und weiter ging der Aufruhr auf die Alb. Der Älbler Landadel flüchtete nach Ulm.

Anfang März vereinigten sich die Bauern aus Günzburg und Elchingen. Die Bauern im Amt Heidenheim versuchte man noch gegen die anderen auszuspielen. Die ländlichen Untertanen hätten sich bisher gut gehalten und man bitte sie, ruhig zu bleiben, man werde ihnen geben, was andere bei ihren Haufen erreichten.

Am 24. März wurde der Abfall von 45 Bauern aus Brenz bekannt. Um den Abfall von Amt und Stadt Heidenheim zu verhindern legte der Rat am Dienstag nach dem 2. Fastensonntag acht Söldner aufs Heidenheimer Schloß, die kurz darauf um weitere zehn bewaffnete erhöht wurden. Bald war die Besatzung auf 55 Reiter und Fußknechte aufgestockt. Diese wurden aber später nach Geislingen verlegt und durch 60 Mann ersetzt.

Trommler und Fähnrich im Bauernkrieg.

Kupferstich von Hans Beham 1544.

Im Ries

Im benachbarten Ries und bei Nördlingen gerieten jetzt auch die Bauern in Aufruhr. Nördlinger Bauern schlossen sich ihnen an. "In Nördlingen war früh schon die neue Lehre eingedrungen, und in der Bürgerschaft gärten die neuen Volksideen. Bürger dieser Stadt waren es auch, welche den Aufstand der Landleute im Ries anregten und leiteten. Am 27. März hatten sich zwischen Nördlingen und Öttingen bei dem Dorfe Deiningen schon 1.500 Riesbauern gelagert. Fünf Tage darauf hatten sie sich auf 8.000 vermehrt ..."

Im Hause des Taschenmachers Balthasar Glaser kamen die Bauernhauptleute und die Stadtverschworenen zusammen, und hier wurden sie am Abend des 31. März einig, "alle Klöster und Pfaffenhäuser, auch aller Geistlichen hereingeflüchtete Güter anzugreifen, Mönche und Pfaffen aus der Stadt zu verjagen, alle Herren im Ries zu verjagen (...) Im Hause Glaser wurden Lieder zum Spott des Schwäbischen Bundes und zum Lob der Bauernschaft gemacht und gesungen." Glaser wurde 1526 gefangengenommen, mehrfach gefoltert und schließlich auf dem Marktplatz in Nördlingen, als einer der Anführer des Bauernaufstandes, hingerichtet. Das Lied der Nördlinger Revolutionäre ist erhalten geblieben. 1527 bekannte sich in einem Verhör der Feintuchweber Conz Annahans zur Urheberschaft:

"Jetzt sing ich von den Bauern

Und ihrem Regiment.

Manch einer nennt sie Lauren (Schelme)

Und weiß noch nicht das End'.

Es tun's Schinder und Schaber,

Die treiben Übermut,

Hüt' Euch, Ihr Wucherknaben,

Es tut in die Läng nicht gut!

Die Herrschaft tun sie schrecken,

Daß sie kaum weiß wo 'naus,

Die Bauern tun sie aufwecken

Und setzen ihnen tüchig zu.

Es sind seltsame Kunden,

Sie wagen ihre Haut,

Sie haben ein Sinn erfunden,

Wer hätt' ihnen das zugetraut.

Sie sind ins Feld gezogen,

Ihr keiner wollt' lassen ab,

Ist wahr und nicht erlogen

So mancher Bauernknab.

Sie haben zusammen geschworen,

Dem Adel leid zu tun,

Sie haben ihn arg geschoren,

Was wird ihnen werden zum Lohn?

Die Bauern sind einig geworden

Und kriegen mit Gewalt!

Sie haben ein’n großen Orden,

Sind aufständig mannigfalt.

Und tun die Schlösser zerreißen

Und brennen Klöster aus;

So kann man uns nicht mehr bescheißen.

Was soll ein bös' Raubhaus?"

(nach Steinitz; Dieter Süverkrüp schrieb dazu eine zeitgenössische Melodie)

In der Herrschaft Ulm

Die Anführer in Dörfern und Städten der Herrschaft Ulm waren durchweg bessergestellte Leute, größere Bauern, Dorfhandwerker, Wirte und nicht wenige abtrünnige Kleriker. Am 9. Februar traf sich zum ersten mal

Titelseiten von Drucken mit Forderungen der Bauern 1525.

ein Vertreter des Schwäbischen Bundes in Ulm mit Vertretern der Bauern. Von Seiten des Bundes bestand nie ein Zweifel daran, daß die Verhandlungen nur Zeitgewinn, zur Sammlung nötiger Truppen zur Niederschlagung der Bauernhaufen waren. Die Bauernvertreter betonten dagegen, ihre Ziele nur auf friedlichem Weg zu erreichen und durchschauten nicht das böse Spiel. Die Aufständischen hielten einen Bauerntag ab und entsandten am 24. März sechs Vertreter ins Ulmer Rathaus und übergaben ihre Forderungen in 12 Artikeln. Die Vertreter des Bundes hielten sie jedoch weiter hin und drängten sie zu einem weiteren Waffenstillstand bis zum 2. April. Die wichtigsten Forderungen der Bauern waren:

- freie Wahl der Pfarrer

- freie Jagd, Fischfang und Nutzung der Wälder

- Senkung der Kriegssteuern

- keine Leibeigenschaft mehr

- keine Vermehrung der Fronarbeiten und diese nur gegen Entlohnung

- Rechtsprechung der Gerichte nur nach altem Herkommen

- Den Gemeinden entzogenes Land soll zurückgegeben werden

- Abschaffung des 'Todfall' (Todessteuer)

In der ehemaligen Fürstenherberge "Zur Krone", Ulms ältestem Gasthaus aus dem Mittelalter, tagte während des Bauernaufstandes der Schwäbische Bund. Hier wurden die Bauern hingehalten, um sie später zu vernichten.

Drauf und Dran

Im Gegensatz zu den Bauernführern ließen sich die Bauernhaufen nicht mehr länger hinhalten. Am 26. März brannte bei Baltringen das erste Schloß. Der Langenauer und Leipheimer Haufen zogen in Richtung Brenztal um sich mit den dortigen zu verbünden. Am 28. März besetzten die Bauern Günzburg, nachdem der Günzburger Rat sie nicht mehr aus- und eingehen lassen wollte. Zur selben Zeit fielen ab, die Ämter Weidenstetten und Lonsee.

Wider die Klosterherrschaft

Die Herbrechtinger Klosterbauern revoltierten gegen ihren Probst. In Dettingen und Heuchlingen erhoben sich die Lehensbauern der Herrschaft Falkenstein, in Bissingen die riedheimischen Hintersassen, in Brenz die des Hans Güß. Auf dem Härtsfeld waren die Neresheimer Bauern im Aufruhr gegen den Abt, der sich nach Wallerstein in Sicherheit brachte. Der Abt Johann traute sich ganze vier Monate nicht mehr zurück. Der zu den Bauern übergelaufene Kaplan von Auernheim Johann Anhauser wurde zu deren Anführer. Brenz war ein Zentrum der Bewegung. Allein im März rückten vier Fähnlein der Bauern dort ein. Ein Fähnlein hatte ca. 500 Mann.

Die Erhebungen der Bauern verliefen in der Regel unblutig. Das Wort von den "räuberischen und mordenden Bauernhorden" von Luther hatte so also keine Richtigkeit. Blutrünstig wurde es erst, als die weltlichen und geistlichen Herren grausam zurückschlugen.

Zum Langenauer Haufen stießen die Bauern von Herbrechtingen, Bolheim, Hohenmemmingen, Hermaringen, Hürben, Nattheim, Steinheim, Söhnstetten, Gerstetten, Heldenfingen, Heuchlingen und Dettingen. Die Truppen des Schwäbischen Bundes lagerten bei Ehingen und Ulm.

Die Schlacht bei Leipheim

Am 29. März eröffneten sie die Feindseligkeiten bei Laupheim, wo die ersten Bauern fielen. Ihr Anführer war der Truchseß Georg von Waldenburg, der berüchtigte Bauernschlächter. Der Truchseß griff einen Bauernhaufen im Baltringer Ried an, schlug diesen in die Flucht und plünderte drei Dörfer. Am 31. März zerstreute er 30.000 Bauern bei Kirchberg. Am 1. April schlugen die vereinten Haufen von Langenau, Leipheim und Illertissen los. Die Hauptmasse zog zunächst nach Süden und zerstörte mehrere Herrensitze. Der kleinere Teil, 4.000 Langenauer und 5.000 Leipheimer plünderten das Kloster der verhaßten Klosterherrschaft Elchingen. Die Gerstetter gingen dabei gegen ihre Zehntherren vor. Am 2. April wurde bekannt, daß die Haufen gegen Ulm zogen. Die Ulmer Obrigkeit fürchtete einen Aufstand in der Stadt, da das niedere Stadtvolk auf Seiten der Bauern war. Der Truchseß schlug jedoch die Haufen bei Leipheim am 4. April verheerend. Die Reiterei der Hessen und Ulmer jagte die geschlagenen Bauern wie die Hasen. Wer nicht erschlagen wurde, wurde in die Donau getrieben und ersoff jämmerlich. An die 400 sollen bei Leipheim so ersäuft worden sein. Insgesamt 4.000 Opfer - bestialisch verstümmelt, erstochen, erschlagen, erhängt, zu Tode gefoltert waren zu beklagen.

Der "Schwäbische Bund" war eine Vereinigung der süddeutschen Fürsten und Adligen, der auch 22 Reichsstädte beitraten. Er war ein Instrument des Adels zur "Aufrechterhaltung des Landfriedens", d.h. zur Niederschlagung der ritterlichen Opposition und revolutionärer Volksbewegungen. Der Bund wurde 1488 gegründet. Der Sitz seiner Bundesstände war Ulm.

"Gelang ein gemeinschaftlicher Angriff auf Ulm, und wurde diese feste Stadt von den Bauern eingenommen, so hatte der Schwäbische Bund seinen Stützpunkt an der Donau verloren, und die Bauern hatten einen Halt.

Die Ulmer Herren waren bei den Bauern so verhaßt, daß keiner ohne Gefahr, von ihnen mißhandelt zu werden, sich über Feld wagen konnte.

Die Herren waren eifrig, Blut zu vergießen, und wäre es nicht natürlich, daß die Bauern an Repressalien dachten? Ulm machte sich dadurch so verhaßt bei den Bauern, daß eine Sage sich verbreiten konnte, die Bauern wollten Ulm zerstören und alle Einwohner töten."

(W. Zimmermann. Geschichte des Bauernkriegs)

Als im März 1525 außer dem Baltringer auch der Unterallgäuer Bauernhaufen bei Wurzach und östlich von Ulm der Leipheimer Haufen entstanden waren, fühlten sich die in Ulm sitzenden Bundesstände zunehmend bedrängt. Über 40.000 Aufständische waren in Bauernhaufen konzentriert. Leonhard von Eck, Kanzler des Herzogs von Bayern und diplomatisches Haupt des feudalistischen katholischen Lagers, beorderte nun das Bundesheer nach Ulm. An dessen Spitze stand als "röm. kais. Majestät, fürstl. Durchlaucht von Oesterreich, Churfürst, Fürsten und gemeiner Stände des löblichen Bundes zu Schwaben, oberster Feldhauptmann" Truchseß Georg von Waldburg. Militärische Erfahrungen paarten sich mit Rücksichtslosigkeit und Verschlagenheit in der Kriegsführung. Die von ihm geleitete blutige Rache an den Bauern brachte ihm die Bezeichnung "Bauern-Jörg" ein.

Als das Heer in Ulm eintraf, gestattete der Rat lediglich 600 Reisigen (das waren schwerbewaffnete Ritter), die Stadt zu betreten. Der Schreiber des Truchseß folgerte daraus, daß Ulm "besser bäurisch denn bündisch" sei. Auch Kanzler Eck glaubte, das Heer in unmittelbarer Nähe von Ulm behalten zu müssen, da die Ulmer Bürger höchst unzuverlässig wären. Auf Beschluß der Bundesräte wandte sich das Heer zunächst gegen die Baltringer Bauern. Doch weder bei Laupheim noch bei Rißtissen und Öpfingen vermochte der Truchseß Siege zu erringen. Nun sollte sich das Heer dem Leipheimer Haufen zuwenden.

Aus allen Dörfern zwischen Ulm, Augsburg und Donauwörth erhoben sich etwa 5000 Bauern, die sich unweit Leipheims (bei Fahlheim und Bühl) an verschiedenen Punkten sammelten. Am 3. April 1525 nahm das Heer des Bundes bei Wiblingen Quartier und bewegte sich tags darauf über Offenhausen in geringer Entfernung von der Donau dem Leipheimer Haufen zu. Bei Bühl und Elchingen kam es zu Gefechten. Die Orte Leipheim und Günzburg ergaben sich ohne Gegenwehr. 1.000 Bauern wurden erschlagen und ertränkt, über 4.000 wurden gefangen genommen. Unter den Gefangenen befand sich auch der Leipheimer revolutionäre Prediger und Bauernführer Hans Jacob Wehe, den der Adel mit sieben weiteren Hauptleuten und Geistlichen am 5. April zum Tode verurteilte und hinrichtete.

Damit hatte der Truchseß seinen ersten Sieg über die Bauern errungen. Diese Niederlage wirkte demoralisierend auf die benachbarten Haufen. Es zeigten sich die Nachteile der lokalen Absonderung einzelner Haufen, die schließlich mit dazu führten, daß der Bauernaufstand scheiterte. Der Truchseß konnte in Leipheim seine zahlenmäßige Überlegenheit ins Feld führen und die militärische Unerfahrenheit der Bauern auf dem Schlachtfeld nutzen. Zudem ermöglichte die defensive Haltung des zahlenmäßig wesentlich stärkeren Baltringer Haufens, daß der Truchseß gefahrlos die Leipheimer schlagen konnte. Schon in der ersten Schlacht zeigten sich die gefährlichen Nachteile der lokalen Absonderung einzelner Haufen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bauer, Handwerker und Landsknecht schlagen auf Ritter, Mönch und Papst ein. Holzschnitt von Erhard Schoen 1522.

(aus: Das andere Ulm. Ein Stadtführer)

Langenauer Gericht

In Langenau wurde ein hartes Gericht gehalten. In der Bestrafung der aufrührerischen Bauern, die doch nur ihr gutes Recht gefordert hatten, standen in der Folgezeit auch die Klosterherrschaften den weltlichen in nichts nach. Bekannt sind an Bestrafungen, die Köpfung von vier Anführern durch den Ulmer Henker Berthold Aichelin. Obwohl sich Langenau ergeben hatte, wurden alle ergriffenen Führer "erbärmlich gestraft (hingerichtet) und die übrigen gänzlich gestillt". Leipheim und Günzburg wurden "geschätzt" d.h. gegen Meistbietende zur Plünderung und Brandschatzung übergeben. Leipheim ging um 3.000 Gulden an die Fußknechte und Günzburg um 3.300 Gulden an die Reiter.

Die letzten Dettinger

Im Bericht des Pflegers der Herrschaft Heidenheim ist festgehalten, daß die Dettinger Bauern nach der Niederlage nach Hause gezogen sind und sich in die Freistatt des Kirchhofs gerettet hatten. Der Pfleger rückte mit Reitern und Fußvolk von Heidenheim aus, um "gegen Leib und ihre Güter zu handeln". Er forderte sie auf zu kapitulieren und ihre Habe und Gut ihm zu übergeben, dann blieben sie verschont. Diese nahmen "gern und gutwillig" an. Trotzdem führte er sie als Gefangene nach Heidenheim. Dort wurden sie auf 1.190 Gulden "geschätzt". Die Hälfte konnten sie aufbringen, den Rest mußten sie bis Bartholomä aufbringen. Als Pfand mußten zwei Dettinger eingesperrt bleiben, Jörg Egenwolf und Hans Ewin.

Die Strafgewalt

Nach der Niederschlagung der Bauern übertrug der Schwäbische Bund die Strafgewalt dem Rat der Stadt Ulm. Reiterstaffeln sollten Zusammenrottungen zerstreuen, geflüchtete Aufrührer aufstöbern und die Entwaffnung der Bauern überwachen. Die Kriegskosten sollten durch eine Brandsteuer für jedes Haus in Höhe von 6 Gulden finanziert werden. Das entsprach dem Wert eines fetten Ochsen. Das ganze Gebiet um Ulm, samt der Herrschaft Heidenheim, bezahlte daraufhin 20.492 Gulden. Orte, die als Brutstätten des Aufruhrs galten mußten zusätzlich bezahlen, Leipheim 1.500, Günzburg 900, Langenau 2.000 und Gerstetten 600 Gulden.

Die Teilnehmer des Aufstands fielen automatisch in Reichsacht. Damit gingen alle staatsbürgerlichen, privaten und lehenmäßigen Rechte verloren, man konnte nicht mehr klagen oder zeugen vor Gericht. Jedermann konnte sie "mit oder ohne Recht" an Leben und Gut angreifen. Alle Rädelsführer wurden mit dem Tod bestraft. Flüchtlingen, wie Thoma Paulus aus Langenau, wurden Frau und Kind geächtet und ebenfalls verbannt. Sein Haus wurde zerstört und sollte im zerstörten Zustand zur ewigen Abschreckung verbleiben. Viele Mitläufer wurden bestraft, mit Gefängnis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der deutsche Bauernkrieg 1524-26

bei Wasser und Brot, Geldstrafen, Strafen an Haut und Haar und Ehrenstrafen. Sie mußten auch noch schwören, sich an die Strafe zu halten, sich nicht zu rächen und künftig gehorsame Untertanen zu sein. Auf Eidbruch stand das Abhacken der Schwurfinger. Viele wurden "aus dem Amt" verbannt, "über den Lech", "über den Rhein", manche in der "Eingrenzung", d.h. sie durften den Ort, das Amt oder das eigene Feld nicht verlassen. Seither ging die Sage, daß diese "Vogelfreien" sich immer wieder heimlich im Wald zwischen Küpfendorf und Gerstetten getroffen haben sollen.

 

Die Rache der Sieger: Verurteilung, Folterungen und Hinrichtungen.

Repressalien

Bis Mitte Juli 1526 erlegten die Ulmer Herren Strafen für die Untertanen des Amt Heidenheim: Aberkennung der Gerichtsbarkeit von einzelnen und ganzen Gemeinden. Alle Feste und Tänze wurden verboten. Aufrührerische Frauen durften nicht mehr ins Kunkelhaus (Frauenhaus, benannt nach Kunkel = Spindel, Spinnrocken, nach altdeutschem Verständnis das Sinnbild des weiblichen Geschlechts, im Gegensatz zum Schwert = männlich) und mußten ein Zeichen umhängen. Gleichzeitig wurde die gesamte Entwaffnung des Amts durchgeführt. Leipheim und Langenau wurden bestraft durch das Aushängen ihrer Stadttore und das Einreißen von Teilen der Stadtmauer. In die Festen Hellenstein und Helfenstein legte der Rat eine feste militärische Besatzung. Auf dem Hellenstein lag diese bis zum großen Brand von 1530, als die ganze obere Burg fast vollständig zerstört wurde. Eine Strafliste für die Heidenheimer Untertanen ist erhalten geblieben. Daraus war zu ersehen, daß außer Schnaitheim, Mergelstetten, Fleinheim, Sontheim und Gussenstadt alle 12 größeren Orte der Herrschaft Heidenheim abgefallen waren. Den rebellischen Ortschaften wurde künftig verboten: das Feiern von Festen, Kirchweihen, Schenken und Tanzen außer Haus, bei 10 Gulden Strafe. Alle Waffen wären im Heidenheimer Schloß abzuliefern.

In Bolheim, Heuchlingen und Dettingen wurde "allen Ungehorsamen zu besonderem Anzeigen ihres Verschuldens" verboten, nach der Vesperzeit ein Wirtshaus zu besuchen. Fünf Dettinger und Heuchlinger erhielten eine Sonderstrafe. Außer dem Brotmesser durften sie keinerlei Wehr mehr tragen. Diese Verbote wurden alle 1529 und 1530 erneuert. Weiterhin war immer noch verboten zu Tanzen, auch bei Hochzeiten, ebenso "lautes Singen, pfeifen, juchzen, schreien und Saitenspiel". Erst an Fastnacht 1531 wurde das Tanzen wieder erlaubt.

Bauernjörg

Die »Bauem-Oper von Yaak Karsunke wurde als Auftragsarbeit für das Landestheater Tübingen geschrieben. Hier das Nachspiel-Konzept, das der Uraufführung in Tübingen zugrunde lag:

"(dem Truchseß werden Helm und Harnisch abgenommen, Beinschienen bleiben, er zieht einen Trachtenjanker über. Währenddessen)

HENKER (an der Rampe. Freundlich im Märchenonkel-Ton) Dem Truchseß von Waldburg aber, »weil er sich so schicklich, tapfer und wohl bewiesen und gehalten, auch allenthalben im Reich guten Frieden, Recht, geistliche und weltliche Obrigkeit, Satzung und Ordnung« wiederhergestellt hatte, verlieh Kaiser Karl V. am dritten November 1525 das Schloß Zeil »mit allen seinen Zugehörungen, Einkommen, Zinsen, Gülten, Freiheiten, Rechten und Gerechtigkeiten« als Reichslehen. Das Schloß wurde zum Stammsitz der Fürsten von Waldburg zu Zeil und Trauchburg (Henker streift die Kapuze ab) - und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch.

TRUCHSESS (leutseliger Interview-Ton) Meine Familie fühlt sich noch heute für das Land, in dem sie geboren wurde und in dem sie seit 800 Jahren lebt, verantwortlich. Es ist eine große Familie und es ist natürlich auch ein großes Stück Land. Unser Grundbesitz umfaßt 100 Millionen Quadratmeter, natürlich kaufen wir ständig dazu, wenn wir die Gelegenheit und die Mittel haben. Ferner besitzen wir einen Privatflugplatz, ein Elektrizitätswerk, eine Ladenkette für Haushalts- und Eisenwaren, eine Papierfabrik, eine Zeitung: Wir möchten dabei sein, wo Meinung gemacht wird, und wir möchten nicht, daß sie ganz ohne uns gemacht wird. Die vier Kurheime der Fürstlich-Waldburg-Zeil'schen Kurverwaltung verfügen über 2.000 Betten - das Gesamtvermögen wird auf rund zwei Milliarden Mark geschätzt und wirft jährliche Einnahmen von rund 100 Millionen Mark ab. Natürlich dient Reichtum, wie wir ihn haben, ganz bestimmten Zwecken ... er hat eine dienende Funktion.

SCHLUSSLIED So endet in Deutschland die erste die Bauern-Revolution

Mit Feuer und Schwert wird geschrieben unser aller erste Lektion:

Verlangt das Volk nach Freiheit

Dann schlägt man's einfach tot

Und sollt der Armen Hunger

Mit Prügeln statt mit Brot

Das ist die Großmut der Herren

Ihre Gnade und Güte dazu

Der Doktor Luther sagt: Amen

In Deutschland herrscht Ordnung und Ruh

So predigt der Doktor Lügner

Wohl in der Herren Sold

Nennt Unrecht und Unterdrückung

Und Herrschaft gottgewollt

Und doch verschwanden die Fürsten

Schneller als mancher gedacht:

Es wird unser aller Geschichte

Nämlich nicht nur von Herren gemacht

Wir alle machen Geschichte

Und keiner schafft es allein:

Es können die Unterdrückten

Sich nur selbst und gemeinsam befrein!"

 

Dürers Bauernkriegs-

Gedenksäule. Entwurf 1525

Zimmermanns Resümee

Wilhelm Zimmermann resümierte am Ende seines Bauernkriegbuches: "Ein gutes Stück Mittelalter lag durch die Bauern zertrümmert, unter Schutt und Stein begraben; ein anderes Stück warfen bald darauf vollends leicht die Fürsten um. Mehr als tausend Klöster und Schlösser waren durch die Bauern zerstört; die wenigsten wurden wieder aufgebaut, und ihre früheren Bewohner mußten eine andere Lebensart anfangen. Die Zeit der adeligen und der klösterlichen Zwinger war vorbei. Aus den ersteren wurde das Volk nicht mehr geplackt, aus den letzteren nicht mehr zu jenem hin verdummt. Die wenigen Edelleute, denen die Brandsteuern eingingen, wußten die Entschädigungsgelder zu anderen Zwecken als zu Burgen und Verließen zu verwenden; die Fürsten lernten von den Bauern selbst die noch stehenden Klöster zu säkularisieren. Weinsberg ist wieder gebaut, und Schwabens Garten zieren Burgen nur fast noch als Ruinen: Es wäre, wenn jene ganz ständen, nie zum Garten geworden."

Unruhiges Reich

Mit der Niederlage der Revolution war für die Herrschenden aber noch lang kein Frieden. Michael Geismaier führte in Tirol noch bis 1527 einen geheimen Bauernbund. Viele überlebende Revolutionäre lebten noch jahrzehntelang als "Banditen" und "Geächtete" in den Wäldern - im Gmünder Wald, im Schwarzwald, im Hohenlohischen - als "Räuberbanden". Das ganze 16. Jahrhundert hindurch fürchteten sich die Herren vor neuen Aufständen. Ganz Schwaben, Franken, Böhmen und der Schwarzwald galten als schwer regierbar. Der schwarzwälder Hotzenwald blieb auf Dauer Unruheprovinz. In Ditmarschen bestand lange eine Bauernrepublik. Später sollten die Schweiz und die Niederlande ihre Unabhängigkeit vom Reich erlangen und den Feudalismus abschaffen.

1.4. Politische Auswirkungen

Die Niederlage im Bauernkrieg, diese verlorene politische Revolution, war auch eine verlorene ökonomische Revolution. In Deutschland sollte die aufkommenden bürgerlichen Schichten nicht die Kraft haben, den Feudalismus abzulösen. Die Besitztümer, die der katholischen Kirche abgenommen wurden, gingen in Besitz der Fürsten über. Die massenhafte Abschlachtung der Bauern (ca. 130.000 Bauern und kleine Bürger wurden zu Opfern der Reaktion) und die Brandschatzungen wirkten sich verheerend auf die Wirtschaft aus. Wirtschaftlich bedeutete dies nicht nur Stillstand sondern Rückschritt. Da der Feudalismus weiter bestanden, war eine Entwicklung des Handels nur möglich, wenn sich das Handelsbürgertum den Fürsten unterordnete und nur im Rahmen des jeweiligen lokalen Fürstentums blieb. Das Bündnis zwischen Adel und Bourgeoisie sollte so typisch für die deutsche Geschichte werden. Diese "Elite" sollte künftig in den deutschen Ländern den Ton angeben. Zu diesem Bündnis gesellte sich jeweils die protestantische oder katholische Kirche. Nachdem auch der Protestantismus seinen letzten Rest an revolutionärem Geist verloren hatte, diente deren Ideologie zur Verewigung überlebter gesellschaftlicher Verhältnisse, indem sie dem Volk den Glaubenssatz "Seid untertan der Obrigkeit" einflößten.

 

Revolutionäre Perspektiven

Die deutschen Revolutionäre wurde für lange Zeit das Rückgrat gebrochen. Sie wurden nicht nur hingerichtet sondern zu Tode gefoltert. In Münster erinnern uns heute noch die Käfige, in denen die Wiedertäufer verhungert sind, an die Grausamkeit der Herrschenden. Seit dem Bauernkrieg gab es in unsrem Land keine vergleichbare revolutionäre Bewegung, die so tief im Volk verwurzelt war, wie diese Revolution von 1524-26. Angeblich im Namen Gottes und der Religion wurden damals Grausamkeiten verübt, die nur mit dem Terror der Nazis vergleichbar sind. Inquisition und Hexenwahn sollten in der Folgezeit sogar ihre traurigen Höhepunkte erreichen.

Zersplitterung Deutschlands

Die geschichtlich notwendig gewesene politische Entwicklung zu einem einheitlichen zentralisierten deutschen Reich war nicht erreicht worden. Deutschland war in unzählige winzige Fürstentümer und politische Territorien zersplittert. Der Absolutismus entwickelte sich nur auf der Ebene der Fürstentümer. In Frankreich dagegen konnte der Zentralstaat durchaus eine progressive Rolle spielen.

Der verlorene Bauernkrieg und die danach noch verstärkte Zersplitterung, behinderten die Entwicklung zum deutschen Nationalstaat. Die ungelöste nationale Frage bewirkte, daß Reaktionäre, bis hin zu den Faschisten, diese Frage mit reaktionärem Inhalt füllten und bis heute füllen.

Die territoriale Zersplitterung Deutschlands war Ursache und Folge der Niederlage im Bauernkrieg. In diesem Zustand war Deutschland im Dreißigjährigen Krieg eine willkommene Beute für die umliegenden Mächte und die lokalen Fürsten. Dieser Krieg vernichtete den größten Teil des Ackerbaus und die Menschen, die ihn bebauten. Deutschland wurde um 200 Jahre zurückgeworfen.

Quellen und weiterführende Literatur:

o      Wilhelm Zimmermann. Der große deutsche Bauernkrieg. Köhler Stuttgart 1841-43, Dietz Stuttgart 1891, Dietz Berlin 1952, deb Berlin 1980.

o      Ernst Guther. Gerstetten und seine Nachbarn. Selbstverlag Gerstetten 1984. (Hauptquelle Heidenheimer Daten)

o      Friedrich Engels. Der deutsche Bauernkrieg. Hamburg 1850, Marx-Engels-Werke Bd.7, Dietz Berlin 1960, S. 327-413.

o      (Hrsg.) Thomas Holub. Weinstädter Geschichtsheft 2. Stadtarchiv und Museen. Weinstadt 1989.

o      (Hrsg.) Arno Hermer. Der arme Konrad. WLB Esslingen Programmheft Spielzeit 1985/86.

o      Friedrich Wolf. Der Arme Konrad. Schauspiel aus dem Deutschen Bauernkrieg 1514. geschrieben 1923, Gesammelte Werke. Dramen Bd. 2, Aufbau Berlin 1960.

o      Peter Michael Sträßner. Über Stock und Stein. Selbstverlag Heidenheim 1982.

o      Wolfgang Steinitz. Deutsche Volkslieder demokratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten. Akademie Berlin 1973.

o      Beschreibung des Oberamts Neresheim. Lindenmann Stuttgart 1872.

o      Das andere Ulm. Ein Stadtführer. Freidenker Ulm/Neu-Ulm o.J.

o      Yaak Karsunke. Bauernoper. Berlin 1976.

o      Günter Vogler. Die Gewalt soll gegeben werden dem gemeinen Volk. Dietz Berlin 1975.

o      Dokumente aus dem deutschen Bauernkrieg. Röderberg Frankfurt/M. 1983.

 

 

 

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