Sagenhafte Radtour Teil 1

Eine Radtour mit Sagen von Heidenheim, Mergelstetten, Hurwang, Anhausen, Eselsburger Tal, Herbrechtingen und einem Abstecher zur Kaltenburg und Güssenburg

Zusammenstellung: Heiner Jestrabek

 

Was sind Sagen?

Mündlich überlieferte Erzählungen einer für wahr gehaltenen oder auf einem wahren Kern beruhenden Begebenheit; im Lauf der Zeit phantastisch ausgeschmückt und ständig umgestaltet. Sagen werden häufig mit landschaftlichen und zeitbedingten Eigentümlichkeiten und Anspielungen vermischt; meist mit Moral oder Lehre verbunden. In den Zeiten, als die Menschen nur wenig lesen und schreiben konnten, die am meisten verbreitete Form der Literatur.

Versucht mal bei den folgenden Geschichten, den wahren Kern, die Moral und das Phantastische zu unterscheiden!

Heidenheim:

Der Stadt Wapp’n ist ein Heydenkopf,

Mit einer Kapp’, d’ran hangend Zopf,

Zeigt, daß vor vielen Jahren gemein

Heydenvölker hier gewesen sein.

Wie dann zur Prob’ alt Silbergeld

Von Leuten gefunden ist im Feld,

Solch’s zum Gedächtnis henken an,

Die Kinder damit prangen lahn.

Noch wird gezeigt das Heydenloch

Am Schloßberg unten, ziemlich hoch,

Dazu man schwerlich steigt, ist hohl,

Darin verborgen liegen soll

Wie man sagt, ein heydnischer Schatz,

Dabei sitz’ eine kohlrabenschwarze Katz;

Wer Lust zu graben hat, mag’s tun;

Ich wag’s nicht, fürcht’ ein saurn Lohn.

aus der Reimchronik des Johann Hornung von 1618

Dies ist unsere Strecke:

 

 

Knöpfleswäscherbrunnen

(Necknamen für Heidenheim: Knöpfleswäscher)  

Knöpfleswäscher

von Hermann Mohn

Warom ma ons grad Knöpfleswäscher hoißt,

Gar manch’r Hoidamer vielleicht et woißt,

Drom will i’s uich en kurze Wort verzähla

Ond dau d’rzua de hiasig Schwätzart wähla:

Em Joahr Achtzeh’hondertondsechs send d’Franzosa

Bei ons gwea zur Zeit wo hent blüehet d’Rosa.

Se hent sich em Städtle rom einegneschtet

Ond - mei Ehle hat’s g’sait - au d’Luft verpeschtet.

A Haufa so Kerle em "Haasa" send gwea,

Dr Haasawirt, der hats et geara gsea!

Doch wia’s au heut isch, nex konnt’r macha,

Als höchstens zom böase Spiel noo lacha.

Am a Sonntig dau hat er ds Liablingsessa,

Salat ond Knöpfla - et wenig bemessa -

Mit Hammelbraota de Welsche voargsetzt,

Denn vor Gschtriahl hatt’n ämml d’r Gauma glechzt.

Ja wägerle, gwea wär’s scho recht,

Salat ond Braotes hant gschmeckt et schlecht,

Aber dia Knöpfla! Dia Kerle hent glaubt,

Daß so ebbes ds Leaba ond d’ Seeligkeit raubt.

Mit lange Nägel hentse dia Knöpfla

An d’Wand na’gnaglet wia Hirschhoaraköpfla.

D’r Wirt hat a bitterbäas Gsicht na’gmacht,

Aber hählings knitz ens Fäuschtle glacht.

Ond wia se furt send, hatt’r ganz gmaoch,

Dia Knöpfla erlöst von soo’ra Schmaoch,

Hat’s ema Krätza z’sämadoa

Mit sora rechta Schwaobaruah!

Ischt nomm an d’Brenz, hat homma ond domma,

Mit dene Knöpfla a Wäsch voargnomma,

Hat’s dricknat schöa em Sonnaschei

Nau wieder en sein Krätza nei.

Am Aobed send d’Franzosa komma,

Hent scho zur Tür rei d’Nas vollgnomma!

Ond jeder hätt gfressa, ma sait für drei,

Dia gwäschene Knöpfla, "gräaschtet mit Ei"!

Jetzt wißt’r dees Gschichtle, ond wer’s et glaubt,

- Mei Ehle seelig hat’s selber gschaubt. -

Ond mir könnet stolz sei, d’r Haasawirt,

Der hat da Gaul von henta’rei gschirrt!

 

Hexenfelsen  

In unserer Gegend gibt es viele Felsformationen, die die Menschen zur Entstehung von Sagen angeregt haben.

Eine weise Frau, mit geheimem Wissen über Kräutersaft und -sud soll hier gelebt haben. Naturkundigen Frauen wurden damals häufig Zauberkünste angedichtet. Sie wurden als "Hexen" bezeichnet.

Ein Zauberer, so die Sage, ist auf Ihre Künste neidisch geworden und verlangte die Preisgabe ihrer Künste. Nachdem sie sich geweigert hatte geriet der Zauberer in Wut. Im Kampf mit der weisen Frau stürzte der Zauberer sie vom Plateau hinunter. Dort unten soll sie zu Stein erstarrt sein. Seither, so will die Sage wissen, treffen sich allwöchentlich die "Hexen" am Hexenfelsen. Besonders bunt treiben sie es angeblich in den "Zwölfnächten" (d.s. die zwölf Nächte der Wintersonnwende).

Der traurige Hintergrund dieser "Hexen"-Geschichten sind tatsächliche Geschehnisse im Heidenheim des 17. Jahrhunderts. Unschuldige Frauen wurden hier in Heidenheim Opfer des "Hexen"wahns: 1607 wurde Maria Öchslin auf dem Scheiterhaufen verbrannt. 1608 Maria Groß und weitere "drei Weibspersonen". 1614 wird sogar eine Achtjährige angeklagt, die allerdings fliehen kann. 1626 wird Anna Lutz verbrannt. 1629 eine Frau Feurer "mit Steinen zu Tode geworfen". 1632 Katharina Lutz hingerichtet. Dazu kamen weitere Fälle von Folterungen, die ohne Verbrennung endeten. Der letzte Hexenwahn war bei uns im Jahr 1735.

 

Einschub: Zeitbestimmung der Ortsgründungen.

Seit ungefähr dem Jahr 200 lebten in unserer Gegend die Alamannen (später Sueben oder Schwaben genannt).

Die gegründeten Orte wurden häufig mit dem Namen des Anführers und den Endungen -ingen benannt.

Ab dem 6. Jahrhundert gegründete Orte endeten mit -heim,

ab dem 7. Jahrhundert mit -stetten.

Ende des 7./Anfang des 8. Jahrhunderts wurden Orte mit -hausen, -hofen, -dorf gegründet

und im 8./9. Jahrhundert -weiler, -berg, -sohl.

 

Hier anklicken zur Fortsetzung der Radtour Teil 2 und 3

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zum Historischen Stadtspaziergang durch Heidenheim und zur

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Sagenhaften Radtour

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