Sagenhafte Radtour

 

Eine Tour mit Sagen von Heidenheim, über Mergelstetten, Hurwang, Anhausen ins Eselsburger Tal, Herbrechtingen und

einem Abstecher zur Kaltenburg und

Güssenburg

 

 

 

Zusammenstellung: Heiner Jestrabek

 

Was sind Sagen?

 

M

ündlich überlieferte Erzählungen einer für wahr gehaltenen oder auf einem wahren Kern beruhenden Begebenheit; im Lauf der Zeit phantastisch ausgeschmückt und ständig umgestaltet. Sagen werden häufig mit landschaftlichen und zeitbedingten Eigentümlichkeiten und Anspielungen vermischt; meist mit einer Moral oder Lehre verbunden. In den Zeiten, als die Menschen nur wenig lesen und schreiben konnten, die am meisten verbreitete Form der Literatur.

Versucht mal bei den folgenden Geschichten, den wahren Kern, die Moral und das Phantastische zu unterscheiden!

 

Unsere Strecke:

 

 

 

Heidenheim

 

Der Stadt Wapp’n ist ein Heydenkopf,

Mit einer Kapp’, d’ran hangend Zopf,

Zeigt, daß vor vielen Jahren gemein

Heydenvölker hier gewesen sein.

Wie dann zur Prob’ alt Silbergeld

Von Leuten gefunden ist im Feld,

Solch’s zum Gedächtnis henken an,

Die Kinder damit prangen lahn.

Noch wird gezeigt das Heydenloch

Am Schloßberg unten, ziemlich hoch,

Dazu man schwerlich steigt, ist hohl,

Darin verborgen liegen soll

Wie man sagt, ein heydnischer Schatz,

Dabei sitz’ eine kohlrabenschwarze Katz;

Wer Lust zu graben hat, mag’s tun;

Ich wag’s nicht, fürcht’ ein saurn Lohn.

 

aus der Reimchronik des Johann Hornung von 1618

 

 

 

Knöpfleswäscherbrunnen

 

Knöpfleswäscher (Necknamen für Heidenheim)  

von Hermann Mohn

 

W

arom ma ons grad Knöpfleswäscher hoißt,

Gar manch’r Hoidamer vielleicht et woißt,

Drom will i’s uich en kurze Wort verzähla

Ond dau d’rzua de hiasig Schwätzart wähla:

Em Joahr Achtzeh’hondertondsechs send d’Franzosa

Bei ons gwea zur Zeit wo hent blüehet d’Rosa.

Se hent sich em Städtle rom einegneschtet

Ond - mei Ehle hat’s g’sait - au d’Luft verpeschtet.

A Haufa so Kerle em "Haasa" send gwea,

Dr Haasawirt, der hats et geara gsea!

Doch wia’s au heut isch, nex konnt’r macha,

Als höchstens zom böase Spiel noo lacha.

Am a Sonntig dau hat er ds Liablingsessa,

Salat ond Knöpfla - et wenig bemessa -

Mit Hammelbraota de Welsche voargsetzt,

Denn vor Gschtriahl hatt’n ämml d’r Gauma glechzt.

Ja wägerle, gwea wär’s scho recht,

Salat ond Braotes hant gschmeckt et schlecht,

Aber dia Knöpfla! Dia Kerle hent glaubt,

Daß so ebbes ds Leaba ond d’ Seeligkeit raubt.

Mit lange Nägel hentse dia Knöpfla

An d’Wand na’gnaglet wia Hirschhoaraköpfla.

D’r Wirt hat a bitterbäas Gsicht na’gmacht,

Aber hählings knitz ens Fäuschtle glacht.

Ond wia se furt send, hatt’r ganz gmaoch,

Dia Knöpfla erlöst von soo’ra Schmaoch,

Hat’s ema Krätza z’sämadoa

Mit sora rechta Schwaobaruah!

Ischt nomm an d’Brenz, hat homma ond domma,

Mit dene Knöpfla a Wäsch voargnomma,

Hat’s dricknat schöa em Sonnaschei

Nau wieder en sein Krätza nei.

Am Aobed send d’Franzosa komma,

Hent scho zur Tür rei d’Nas vollgnomma!

Ond jeder hätt gfressa, ma sait für drei,

Dia gwäschene Knöpfla, "gräaschtet mit Ei"!

Jetzt wißt’r dees Gschichtle, ond wer’s et glaubt,

- Mei Ehle seelig hat’s selber gschaubt. -

Ond mir könnet stolz sei, d’r Haasawirt,

Der hat da Gaul von henta’rei gschirrt!             

 

 

 

 

Hexenfelsen  

 

I

n unserer Gegend gibt es viele Felsformationen, die die Menschen zur Entstehung von Sagen angeregt haben.

Eine weise Frau, mit geheimem Wissen über Kräutersaft und -sud soll hier gelebt haben. Naturkundigen Frauen wurden damals häufig Zauberkünste angedichtet. Sie wurden als "Hexen" bezeichnet.

Ein Zauberer, so die Sage, ist auf Ihre Künste neidisch geworden und verlangte die Preisgabe ihrer Künste. Nachdem sie sich geweigert hatte geriet der Zauberer in Wut. Im Kampf mit der weisen Frau stürzte der Zauberer sie vom Plateau hinunter. Dort unten soll sie zu Stein erstarrt sein. Seither, so will die Sage wissen, treffen sich allwöchentlich die "Hexen" am Hexenfelsen. Besonders bunt treiben sie es angeblich in den "Zwölfnächten" (d. s. die zwölf Nächte der Wintersonnwende).

 

 

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er traurige Hintergrund dieser "Hexen"-Geschichten sind tatsächliche Geschehnisse im Heidenheim des 17. Jahrhunderts. Unschuldige Frauen wurden hier in Heidenheim Opfer des "Hexen"wahns: 1607 wurde Maria Öchslin auf dem Scheiterhaufen verbrannt. 1608 Maria Groß und weitere "drei Weibspersonen". 1614 wird sogar eine Achtjährige angeklagt, die allerdings fliehen kann. 1626 wird Anna Lutz verbrannt. 1629 eine Frau Feurer "mit Steinen zu Tode geworfen". 1632 Katharina Lutz hingerichtet. Dazu kamen weitere Fälle von Folterungen, die ohne Verbrennung endeten. Der letzte Hexenwahn war bei uns im Jahr 1735.

 

 

 

Einschub: Zeitbestimmung der Ortsgründungen

 

Seit ungefähr dem Jahr 200 lebten in unserer Gegend die Alamannen (später Sueben oder Schwaben genannt). Die gegründeten Orte wurden häufig mit dem Namen des Anführers und den Endungen -ingen benannt.

Ab dem 6. Jahrhundert gegründete Orte endeten mit -heim,

ab dem 7. Jahrhundert mit -stetten.

Ende des 7./Anfang des 8. Jahrhunderts wurden Orte mit -hausen, -hofen, -dorf gegründet

und im 8./9. Jahrhundert -weiler, -berg, -sohl.

 

Mergelstetten

(Necknamen für Mergelstetten: Wassergückel, Brenzgückeler (d.s. Wasservögel), Scherbenscheißer)

 Ruine Hurwang

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eim Furtheimer Tal (nach den Burgherren Fürheim) liegt die Ruine Hurwang (nach Hürwin, Hürbener ?). Archäologischen Ausgrabungen zufolge weiß man, dass die Burg im 11. Jahrhundert erbaut wurde und eine großangelegte Burganlage war. Wahrscheinlich zerstört im Städtekrieg 1448/49, als auch die Klöster des Brenztals und die Schlösser Güssenburg und Hürben in Flammen aufgingen.

Die Hurwanger Burgherren sollen reich und begütert gewesen sein. Deshalb lautet die Sage, dass in diesen Mauern, in verschlossenen Gewölben, keinem sichtbar, ein Schatz aus alter Zeit, mit einer goldenen Krone, verborgen ist. Seither fanden viele Grabungen statt, mit Beschwörungen und Zauberformeln - aber ohne Erfolg.

  

Anhausen

An der alten Salzstraße

B

is ins 19. Jahrhundert eine bedeutende Handelsverbindung zwischen Württemberg und Bayern. In Alt-Württemberg war Salz knapp. Deshalb wurden bis zu drei Zentner schwere Salzscheiben aus Reichenhall und Salzbug in unsere Gegend transportiert. Auf dem Rückweg nahmen die Fuhrleute vor allem württembergischen Wein mit, da in Bayern kein Anbau stattfand. Mit der Napoleonzeit wurden beide Länder Königreiche und vergrößerten sich beträchtlich. Bayern erhielt die fränkischen Weingegenden und in Württemberg entdeckt man 1820 reiche Salzvorkommen. So verlor der alte Handelsweg seine Bedeutung.

 

Kloster Anhausen

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nsere Gegend war, mehr als irgend wo anders in Schwaben, mit Klöstern und Klosterherrschaften überzogen. Zu der Zisterzienserabtei in Königsbronn mit einem Bruderhaus in Küpfendorf, dem Chorherrenstift in Herbrechtingen und der Benediktinerabtei in Anhausen gesellten sich die nahe liegenden Klöster in Neresheim. Ellwangen, Lorch und Ulm. Deshalb bezeichnete man das Brenztal im Mittelalter als die "Schwäbische Pfaffengasse".

Das Kloster Anhausen wurde als Benediktinerkloster 1125 gegründet. Von Anfang an mit großem Grundbesitz (55 Orte) ausgestattet. 1449 und 1503 verbrannt, 1519 und im Bauernkrieg 1525 stark beschädigt. 1536 erstmals und 1648 endgültig evangelisch. Ab 1558 bis 1820 unter einem evangelischen Prälaten und württembergisch.

 

  Das Eselsburger Tal

 Die Sage vom Buigenmännle

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in Hirtenjunge aus Herbrechtingen verbrachte mit seiner Herde in warmen Tagen die Nächte draußen am Buigen. Eines Nachts erschien ihm das Buigen-Männle, klein und kugelig die Gestalt, mit Eiszapfen vom Gesicht und Haaren hängend. Es ermahnte ihn und die Menschen, an den Ablauf der Jahreszeiten zu denken: "Nicht ewig werden die Sommernächte dauern, in denen ihr einem armen Hirtenbuben das Vieh anvertrauen könnt. Ein harter Winter kommt bestimmt!" Der Hirtenjunge erzählte davon. In der nächsten Nacht begleiteten ihn bewaffnete Freunde. Als um Mitternacht das Buigen-Männle erschien schossen sie. Es rollte sich zu einer feurigen Kugel zusammen und löste sich mit einem weithin gellenden Warnlaut im Horizont auf. Die Natur hatte durch das Buigen-Männle gesprochen, denn tatsächlich kam ein strenger Winter. Vieh und Mensch verdarben, wo nicht vorgesorgt war.

 

Ruine Falkenstein

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ie Burg Falkenstein wurde im 11. Jahrhundert gebaut. Im 30-jährigen Krieg zerstört und 1818 vollständig abgebrochen. Erhalten ist noch ein Steinhaus mit Dürnitz (zweigeschossige Halle, die früher als Speisesaal oder Versammlungsraum gedient hat) aus dem 15. Jahrhundert und ein ansehnliches Haus aus dem 18. Jahrhundert.

  

Sagen vom Falkenstein:

Fremdlinge auf dem Falkenstein

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er junge Ritter Hugh von Falkenstein hatte sich an einem der Kreuzzüge nach Palästina beteiligt und als Beute die schöne Sapphira mitgebracht. Die geraubte Sapphira hatte aber einen Verlobten im Orient, dem sie noch immer treu geblieben war. Der Kaiser Barbarossa hatte zu einem Turnier nach Aachen den Hugh eingeladen. Beim Turnier forderte ein unbekannter Ritter, mit heruntergelassenem Visier, den Hugh zum Kampf um die schöne Sapphira auf. Das unerwartete geschah. Der turniererfahrene Hugh wurde todeswund aus dem Sattel geworfen. Der Unbekannte war Allmund, Sohn des Saladin und Verlobter der geraubten Sapphira. Der Kaiser zeigte sich nobel und gab ihm die Schöne und dazu den Falkenstein. Doch die beiden blieben nur kurz an der Brenz. Sie kehrten Heim in den Orient und überließen den Falkenstein dem angestammten Geschlecht.  

Das Brautfest

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s handelt von einer unglücklichen Liebe zwischen Ludolph und Adelheid von Eselsburg. Der treulosen Ludolph hatte der Adelheid doch noch eine reiche Baronesse vorgezogen. Am Hochzeitstag stürzte sich die unglückliche Adelheid von der Eselsburg hinunter. Die Tote wurde zum Hochzeitsfest getragen, worauf die Braut so geschockt wurde, dass sie ebenfalls vom Schlag getroffen verstarb. Ludolf lief davon und irrte seither ziellos umher.  

 Dem letzten Falkensteiner

verdankt angeblich das Kloster Anhausen seine Gründung. Ritter Kuno verlor früh seine Frau, gerade am 1. Geburtstag des Sohns Georg. Kuno lebte zurückgezogen und in Einsamkeit. Er lebte mit der furchtbaren Schuld, seinen Freund Bruno aus Eifersucht erdolcht zu haben. Es ging dabei um Emilie, die so früh verstorbene Gattin. Kuno beichtete am Sterbebett alles seinem Sohn, der darauf die Burg verkaufte und ins gestiftete Kloster zog.  

 

Das Gottesgericht

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raf Hugo von Eselburg wollte seine Tochter Adelgunde, gegen deren Willen, mit dem Graf Otto von Blaustein verheiraten. Zur Trauung erschien sogar der Bischof von Mainz Hatto. Während der Trauerzeremonie erschien plötzlich ein Ritter mit gezücktem Schwert und kämpfte sich zur Braut durch und nahm sie auf seinem Schimmel mit. Es war ihr echter Geliebter Theobald von der Kaltenburg, der nun seine Adelgunde hatte. Die beiden Liebenden verschanzten sich in der Feste Kaltenburg, die durch Feinde nicht einzunehmen war. Otto sann auf Rache und fädelte ein Femegericht auf dem Falkenstein ein. Theobald hätte durch seine Störung des Gottesdienstes eine Gotteslästerung begangen. Vor den versammelten und mit Kapuzen versehenen Ritter der Umgegend sollte sich der erschienene Theobald einem Gottesurteil unterziehen. Ein Orakel mit schwarzen und weißen Kugeln sollte sprechen und tatsächlich entschied der Zufall gegen Theobald. Somit sei er schuldig und hätte den Tod zu erwarten. Doch Theobald brach aus dem Gewölbe aus, schwang sich auf sein Pferd und sprang mit einem riesigen Satz ins Brenztal hinunter. "Der hat sich selbst gerichtet", sprachen die scheinheiligen Ritter. Aber da hörten sie das Pferd wiehern und es schüttelte seine Mähne. Theobald war unverletzt und kehrte zu seiner Adelgunde zurück. Jetzt hatten sie ihr "Gottesurteil".

 

 Ruine Eselsburg

 

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ie Eselburg und ihre Herren, die Esel von Eselsburg sind schon 1244 bezeugt. Bis höchstens 1444 waren sie im Besitz der Burg. Um 1609 war die Burg abbruchreif. Die Burg war fast viereckig und hatte die Maße 25 x 20 x 27 x 20 m. Die Außenanlagen hatten eine Länge von über 60 m.

 

 

 

Sagen von der Eselsburg

Der Mägdefelsen

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ahlreich sind die Sagen um die Eselsburg. So wird von dem komischen Kauz Jodok berichtet, einem Alchimisten, der Gold herstellen wollte. Er zeigte sich nie und die Leute sagten, er habe nur ein Auge und statt eines Mundes nur einen Vogelschnabel. Er würde auch nur Krächzen wie ein Rabe - kurzum, so einer konnte sich nur dem Teufel verschrieben haben. Sein Burgknecht Zyprian trug ihm verrufene Kräuter und absonderliche Steine herbei. Und plötzlich war der Jodok spurlos verschwunden. Die Leute munkelten, dass der Teufel seinen Pakt eingelöst habe und den Jodok geholt hätte. Der Ritter Wolf von Eselsburg ließ das Turmzimmer des Jodok verriegeln.

Nach vielen Jahren, die er in der Fremde zugebracht hatte, heiratete er Margarethe von Helfenstein, die aber bald starb. Nur das Töchterlein, ebenfalls Margarethe blieb ihm. Aber auch sie kam bald zur Tante Barbara ins Kloster nach Ulm. Mit 19 Jahren floh sie von dort und kam zurück zu ihrem Vater. Auf der Eselsburg hatte sich ein alter Gefährte des Vaters Wolf eingefunden. Guy Assalida war ein Alchimist, der sich in der Turmkammer Jodoks zu schaffen machte. Doch wie das so mit angeblichen Zauberern ist, Assalida floh - angeblich als Fledermaus - Ritter Wolf blieb als verkohlte Leiche zurück - und Margarethe blieb allein und schwanger zurück. Das bald zur Welt gekommene Knäblein Veit wurde heimlich von den Verwandten weggegeben. Diese, die Stiftsdame Barbara und der Onkel Sylvester von Geislingen, hatten die Herrschaft auf der Eselsburg an sich genommen und Margarethe ergab sich in ihr Schicksal. Sie lebte resigniert, praktisch als Magd, auf der Eselsburg, von den bösen Verwandten nur die "verrückte Greth" genannt.

 Veit war zu Schäfern gegeben worden und kam mit 7 Jahren in ein Kloster. Wie seine Mutter floh er aber aus dem Kloster und lebte als Schäfer in Herbrechtingen. Als Grethe den Schäfer beobachtete, war sie seltsam berührt. Sie wollte einen Freudensalut abgeben und hielt eine Lunte an eine Kanone. Die war aber mit einer Kugel geladen und traf unglücklicherweise genau ihren Sohn. Sie eilte sofort zur Unglückstelle und erfuhr dort, dass sie ihren eigenen Sohn erschossen hatte. Die "Magd" Grethe erstarrte vor grenzenlosem Leid zu Stein, gerade an der Stelle wo heute der "Mägdefelsen" ist.

 

 

 

 

Die Steinernen Jungfrauen

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ie Eselsburg hatte ein reines Frauenregiment, nur mit Zofen und Mägden, denen der Umgang mit Männern streng verboten war. Die Herrin betrieb Naturforschung, sammelte und erprobte Kräuter und hatte sich der Burgkammer des Oheims Jodoks erinnert. Dort befasste sie sich angeblich mit Zauberei. Zwei schöne Mägde, unter dem Vorwand besseres Wasser aus der Brenz zu holen, blieben abends immer länger aus. Die Herrin spähte ihnen nach und beobachtete sie, wie sie sich am Ufer mit zwei jungen Fischern trafen. Sie sprach angeblich eine Zauberformel: "So werdet denn zu Stein, ihr Verräterinnen!" So sollen die "steinernen Jungfrauen" entstanden sein. Doch die Strafe blieb nicht aus. Bei einem tobenden Gewitter traf ein Blitz die letzte Herrin von Eselsburg.

 

  

   Die Rache des Kaltenburgers

Ritter Adalbert von Kaltenburg hatte drei Söhne. Zwei waren nach Ulm geritten und blieben spurlos verschwunden. Der verbliebene Sohn Bruno machte sich nach dem Tod des Vaters auf die Suche nach den Brüdern. Er zog landauf landab, klopfte an allen Klosterpforten und kam schließlich an die Burg Gernhausen. Die schöne Schlossherrin Ludomil war eine gute Jägerin und Bogenschützin. Sie hatte es ihm angetan und er verliebte sich in sie. Aber wer immer sich bisher in sie verliebt hatte, war des Todes. Jetzt hatte sie den Fehler gemacht, sich auch zu verlieben. Eines Nachts pochte die Schlossfreundin Elise an Brunos Tür und warnte den Verliebten, dass bisher jeder Ritter, der Ludomil verfallen war, mit dem Pfeil ermordet worden war. So sei es auch den beiden Brüdern ergangen. Am nächsten Tag entlarvte Bruno die Ludomil. Tief erschüttert stürzte sie sich in die Tiefe. Bruno ließ das Schloss einreißen und von den Mauersteinen das Kloster Blaubeuren errichten. An der Todesstelle gibt es noch heute den "Ludomilenstein". Und Bruno heiratete Elise.

 

Die Zerstörung der Güssenburg

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n der Johannisnacht, wenn die Glühwürmchen ihre Zeit haben, so sagt die Sage, könne man zwei Schleier um die Mauerreste der Güssenburg schweben sehen. Dies seien die beiden Güssenfräulein, die das Ende der väterlichen Burg erleben mussten. Kunerich von Güssenburg war ein richtiger Raubritter, deshalb wurde er auch "Mordhanns" genannt. Er bestahl die Klöster, die Viehherden der Reichsstadt Giengen und fahrende Kaufleute aus Ulm und Augsburg, nahm Gefangene und verlangte Lösegeld. Kurz er war eine Landplage. Das Räubernest mußte ausgeboben werden. Am 24. Juni 1448 verbündeten sich Bürger aus Giengen, Lauingen, Langenau, Ulm und der ganzen Umgegend zu einer Streitmacht und überfielen die Güssenburg. Alle versammelten Raubritter wurden niedergemetzelt, der Güssenburger, der Burgberger, der Kaltenburger, die zwei Stromberger, der Burgvogt, Knappen und Knechte. Die Burg wurde niedergebrannt. Die beiden braven unschuldigen Töchter hatten sich rechtzeitig in ein Kloster gerettet. Dies geschah in der Johannisnacht und deshalb gehen die Fräulein immer bei der Sommersonnwende um.

  

Kloster Herbrechtingen

(Herbrechtinger Necknamen: Ratzen, weil es hier in der Brenz besonders viele Ratten hätte)


 

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as älteste Kloster im Brenztal, dessen Anfänge bis zum Jahr 774 zurückreichen. Das Kloster Herbrechtingen war sehr reich und mächtig und beanspruchte immer mehr Privilegien. Die umliegenden Orte und die Reichstadt Giengen rebellierten immer wieder dagegen. So in den Jahren 1279 und 1450, als es zu Kämpfen kam. 1536 Reformation.

 

Vom Klosterschatz

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m Jahr 1450: Der Geißenpeter, der dem Prior des Klosters immer Ziegenmilch zu bringen hatte, beobachtete den Bruder Angelus, der eine gefüllte Geldkassette verwahrte. Als bald darauf die aufgebrachten Giengener das Kloster überfielen, nutzte der Geißenpeter die Verwirrung aus, brach den Wandschrank mit der Geldkassette auf und versteckte das Geld in einem Tongefäß in einem Loch im Acker. Als er zum Kampfgeschehen zurückgekehrte, ereilte ihn aber unglücklicherweise ein Dolch und er starb. Das Geld blieb unauffindbar.

Im Jahr 1900 arbeitete der Eschoi nach seiner schweren Arbeit als Steinbrecher noch in seinem kargen Garten. Unwillig, doch seine Frau hatte ihn halt dazu angehalten, hackte er und bruddelte dabei: "Wenn no dia Weiber woiß net wo wärad!". Doch plötzlich stieß er auf einen Topf aus dem Goldmünzen herausflogen. Der Eschoi hatte den Goldschatz des Geißenpeters gefunden und wurde ein reicher Mann. Und wenn er später einmal nicht auf seine Frau hören wollte, mußt er sich anhören: "No am Weib folga, Jakob, nô gaht’s de Mannd guad, des hascht g’seah an deim Goldschatz!"

 

 


 

Quellen und Weiterlesetipps:

Edlinger, Karl: Das Eselsburger Tal. Heidenheim 1977.

Heimat-Verein Herbrechtingen (Hrsg.), versch. Autoren: Das Eselsburger Tal. Kleinod der Ostalb. Gundelfingen 1990.

Landratsamt Heidenheim (Hrsg.), Drauschke, Jörg &, Kleingärtner, Sunhild, u.a.: Spurensuche in der Brenzregion. Archäologie Erdgeschichte Geologie in 17 ausgewählten Wandertouren. Heidenheim o.J. (insb. S. 195-212 u. Karte Nr. 12).

Mohn, Hermann: Em Zwetschgagärtle. Schwäbische Gedichte. (Nachdruck der Auflage von 1929) Heidenheim 1987.

Moosmaier, Klaus: Heidenheimer Radwanderbuch. Heidenheim 1984.

Schneider, Fritz: Die Ostalb erzählt. Ein schwäbisches Sagenbuch. Heidenheim 1987.

Uhde, Gerhard: Sagen aus dem Heidenheimer Land. Heidenheim 1979.

Wulz, Hans: Baudenkmäler in Stadt und Kreis Heidenheim. Heidenheim 1977.

  

Auf Wunsch begleite ich euch gern bei der Tour per Rad oder einem Teil-Spaziergang. Verbesserungsvorschläge nehme ich gern entgegen. Alle Rechte an Bildern und Texten bleiben bei den Autoren bzw. Verlagen. Die Verwendung in dieser Broschüre und Homepage versteht sich ausdrücklich als Werbung und Empfehlung zum Kauf dieser Bücher. Die Abbildungen sind, soweit nicht gekennzeichnet, aus verschiedenen nicht mehr zu ermittelnden Büchern. Die Comics sind selbst gezeichnet. Die Gedichte von Hermann Mohn stammen aus dem Gedichtband Em Zwetschgagärtle. Schwäbische Gedichte (1929).

 

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